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Bündnis in der Bauwirtschaft beschlossen

Wirksame Kommunikation hilft, Gefahrstoffe sicherer zu verarbeiten

Die Verbände der Hersteller, Händler und Arbeitgeber der Bauwirtschaft haben sich gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sowie Berufsgenossenschaften auf eine Branchenlösung „Gefahrstoff-Kommunikation in der Lieferkette“ geeinigt. Das neue Bündnis stellte sich am 12. März 2013 im Bundespresseamt vor. Grund: Die Beteiligten wollen den Umgang mit Informationen zu Gefahrstoffen im Einklang mit den rechtlichen Bestimmungen erleichtern. Rechtliche Vorgaben machen die vorgeschriebenen Sicherheitsdatenblätter der Hersteller immer komplexer, so dass es für die Unternehmen kaum noch möglich ist, die Informationsflut zu bewältigen. Dabei sind die Hinweise der Sicherheitsdatenblätter notwendig, damit Baustoffe sicher verarbeitet werden können.

„Mit der neuen Branchenlösung wird nun allen Akteuren in der Lieferkette der Bauwirtschaft - Herstellern, Händlern und den Baubetrieben als Anwendern - ein zentraler Pool der rechtlich notwendigen Sicherheitsdatenblätter für gefahrstoffhaltige Baustoffe bereitgestellt“, sagte Klaus-Richard Bergmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Verständliche Informationen der Berufsgenossenschaft, die auf Verfahren und Verwender bezogen sind, liefern ergänzend einfache und leicht verständliche Hinweise, wie die Produkte sicher zu verarbeiten sind. Diese Informationen kommen vom Gefahrstoff- Informationssystem der BG BAU (GISBAU) und sind bereits erprobt. Die Bundesministerien für Arbeit und Soziales (BMAS), für Wirtschaft und Technologie sowie für Verkehr (BMWi), Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) unterstützen die Branchenlösung und betonen alle drei „den zukunftsweisenden Charakter“ dieser Initiative.

Mit Gefahrstoffen wird natürlich auch in anderen Branchen und Bereichen der gewerblichen Wirtschaft umgegangen. „Die Bauwirtschaft“, so Bergmann, „ist jedoch die erste Branche, bei der sich alle beteiligten Verbände und Organisationen auf ein gemeinsames Informationssystem einigen.“ Die Sicherheitsdatenblätter wurden durch die Vorgaben der europäischen REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation und Restriction of Chemicals) zunehmend unübersichtlich. Für die Praxis in den Betrieben sind diese Dokumente ohne Erläuterung kaum geeignet. „Das von GISBAU entwickelte Branchenportal erfüllt die besonderen Anforderungen der REACH-Verordnung zur rechtskonformen elektronischen Übermittlung von Sicherheitsdatenblättern und stellt zudem verständliche Informationen für die sichere Verarbeitung von Baustoffen zur Verfügung“, sagte Bernhard Arenz, Leiter der Abteilung Prävention der BG BAU.

Mit der Branchenlösung wird zudem einer weiteren Herausforderung begegnet: Alle Beteiligten der Lieferkette - 400 Hersteller, 2.500 Baustoff-Fachhändler und 460.000 Unternehmen der Bauwirtschaft - müssen die Sicherheitsdatenblätter zehn Jahre lang aufbewahren. In Papierform ist damit ein gewaltiger Verwaltungsaufwand verbunden. Die Informationsfülle ist riesig, der Verwaltungsaufwand gewaltig. Die Lösung: Ein zentrales EDV-gestütztes Branchenportal, betrieben durch die BG BAU, in dem die Sicherheitsdatenblätter und weitere Informationen über Gefahrstoffe vorgehalten werden. „Die Baubetriebe, der Fachhandel und die Hersteller werden von der Pflicht zur Aufbewahrung entbunden“, betonte Arenz. Das entlaste vor allem die vielen Klein- und Mittelbetriebe der Bauwirtschaft, die viel Aufwand und Geld sparen.

„Mit praxisgerechten Verfahren und Erläuterungen gewinnt der Arbeitsschutz, deshalb unterstützen wir diese Branchenlösung.“ ergänzte Michael Koll, Leiter der Unterabteilung Arbeitsschutz im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Das System funktioniert einfach: Hersteller und Lieferanten senden ihre Informationen über neue oder geänderte Gefahrstoffe und Sicherheitsdatenblätter online an den zentralen Datenpool. Die BG BAU verknüpft diese Daten mit den GISBAU-Informationen und übermittelt die ergänzten Daten automatisch über die BauDatenbank an den Baustoff-Fachhandel und an weitere zentrale Einrichtungen, wie ISi - das Informationssystem für Sicherheitsdatenblätter des Instituts für Arbeitsschutz. „Für die Hersteller ergeben sich aus dem zentralen Datenpool der BG BAU mit seinen Schnittstellen zu weiteren zentralen Einrichtungen Vorteile, da Informationen über geänderte Produkte künftig schneller und mit weniger Aufwand rechtssicher kommuniziert werden können“. So erläuterte Dr. Berthold Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden, die Beteiligung der Baustoffindustrie an der Branchenlösung. „Der Baustoffhandel ist für viele unserer Hersteller der wichtigste Handelspartner. Durch eine direkte Anbindung des Baustofffachhandels an den Datenpool können wir unsere aktive Bringschuld rechtssicher erfüllen. Das Kundenmanagement der Hersteller wird dadurch maßgeblich vereinfacht.“

Der Baustofffachhandel ist bereits gut aufgestellt: Nahezu 80 Prozent aller in der Branche eingesetzten Unternehmenssoftware für Warenwirtschaft und Logistik sind bereits auf die Übermittlung der Gefahrstoff-Informationen eingestellt. „Von Seiten des Handels ist alles bestens vorbereitet“, berichtete Ulrich Schmidt-Kuhl von der BauDatenbank GmbH, dessen Unternehmen erst Ende 2012 vom BMAS für die Einrichtung einer Online-Plattform zur Gefahrstoff-Kommunikation für den Handel belobigt worden ist.

Die Fachhändler geben die Informationen aus dem Branchenpool an ihre Kunden weiter. „Damit werden die Unternehmen der Branche umfassend, aktuell und verständlich über die Gefahren bei der Arbeit mit Gefahrstoffen und notwendige Schutzmaßnahmen informiert. So haben die Betriebe die Möglichkeit, ein rechtskonformes Gefahrstoff-Management mit deutlich weniger Aufwand zu betreiben. Dies entlastet vor allem die vielen Kleinbetriebe in der Bauwirtschaft“ ergänzte Rudolf Domscheid vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). „Auf Großbaustellen werden hunderte von Produkten verarbeitet“, führte Thomas Paetzold vom Umweltausschuss der Deutschen Bauindustrie fort, „das Gefahrstoff- und Arbeitsschutzmanagement steht hier vor großen Herausforderungen, die Branchenlösung ist daher eine große Hilfe bei der täglichen Umsetzung.“

Allen Nutzern des Branchenportals werden die Sicherheitsdatenblätter sowie zahlreiche GISBAU-Produktinformationen kostenlos zur Verfügung gestellt. So bekommt jeder Beteiligte der Lieferkette einfach und unkompliziert alles, was benötig wird. Dazu Michael Koll: „Durch die Erfüllung der umfassenden Anforderungen des Gefahrstoffrechtes und die Nutzung der durch GISBAU aufbereiteten Gefahrstoffinformationen für die Unterweisung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über mögliche Gefahren und Schutzmaßnahmen gewinnen letztendlich alle!“

Der Branchenpool der BG BAU wird bereits aufgebaut und soll allen Beteiligten der Lieferkette zum 1. Januar 2014 zur Verfügung stehen.

Wirksame Kommunikation hilft, Gefahrstoffe sicherer zu verarbeiten